Blau, weiß und ganz schön grün: Das Allgäu setzt Zeichen

Kann ein Volksfest wirklich ein Ort für nachhaltige Zukunftsfragen sein? Wer in diesem Sommer durch das „Haus der Allgäuer Werte“ auf der Festwoche in Kempten spazierte, bekam darauf eine überraschend klare Antwort: Ja. Denn wo Tradition, Gemeinschaft und Kreislaufdenken zusammentreffen, zeigt das Allgäu, wie Heimat zur Zukunftswerkstatt werden kann.

Mitten im „Haus der Allgäuer Werte“: der Stand der Alpenverlagsgruppe. „Für uns als Verlag war es eine Premiere, Teil der Festwoche und Teil dieser besonderen Halle zu sein. Kein klassischer Messeplatz, sondern ein Raum, der Offenheit und Gemeinschaft atmet“, so Geschäftsführer Marcel Reiser. Hier fügen sich viele Partner zu einem großen Ganzen zusammen – getragen von Werten wie Nachhaltigkeit, Qualität und Regionalität. Und plötzlich wird spürbar: Diese Werte sind nicht nur Worte, sie leben in den Begegnungen und Geschichten, die hier entstehen.

Koordiniert wird das „Haus der Allgäuer Werte“ von der Allgäu GmbH, der offiziellen Dachorganisation für Tourismus, Wirtschaft und Standortentwicklung. Ihre Aufgabe geht weit über Marketing hinaus: Sie versteht sich als Lebensraumgestalterin, die das Allgäu als Region stärkt und für kommende Generationen zukunftsfähig macht. Das markante blaue Quadrat mit weißem Schriftzug ist längst mehr als ein Logo. Es steht für die Werte der Region, für Qualität und für Nachhaltigkeit. Diese Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmarke eint inzwischen rund 800 Partner, die sich einem gemeinsamen Ziel verschrieben haben: das Allgäu als lebenswerten Raum zu erhalten. 2023 entstand in Zusammenarbeit mit über 170 Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie Allgäu. Sie bildet mit vier Handlungsfeldern die Grundlage für konkrete Projekte, Maßnahmen und Initiativen in der Region.

Nachhaltigkeit sichtbar machen

Doch Strategien allein reichen nicht. Es braucht Orte, an denen Werte erlebbar werden. Genau hier setzt das „Haus der Allgäuer Werte“ an. Seit 2021 entwickelt die Allgäu GmbH zusammen mit KAD | Veranstaltung erleben ein Messestandkonzept, das im vierten Jahr in Folge kontinuierlich weitergedacht wird.

Anstelle vieler einzelner Stände entsteht ein gemeinsames Hallenkonzept, das alle Markenpartner in eine große Erzählung einbindet. Architektur, Design und Atmosphäre schaffen dabei mehr als nur Information – sie laden ein, zu bleiben, ins Gespräch zu kommen und selbst Teil dieser Wertewelt zu werden.

Ein Beispiel für diesen Ansatz ist der Einsatz eines Cradle-to-Cradle-zertifizierten Teppichs auf der Festwoche 2024. Statt am Ende entsorgt zu werden, konnte er vollständig recycelt werden – ein kleines, aber aussagekräftiges Detail. Denn im Messebau gelten Teppichböden sonst als Wegwerfprodukte. Hier wurde ein Kreislauf geschlossen, der zeigt: Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der jedes Jahr ein Stück weitergedacht wird. „Für uns ist Nachhaltigkeit kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Prozess, den wir jedes Jahr ein Stück weiterdenken“, so das Team von KAD.

Von Messekonzepten zu Kreislaufideen

Aus dieser konsequenten Weiterentwicklung entstand bei KAD ein neues Bedürfnis: Nachhaltigkeit nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch in andere Formate zu übersetzen. Mit der neu gegründeten Unit Knock Knock – Tür auf für Kreislaufideen geht das Unternehmen den nächsten Schritt.

Die Vision: Events und Konzepte gestalten, die Ressourcen schonen, Abfall minimieren und langfristig wirken. Orientierung bieten dabei die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und die 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen.

Statt über Nachhaltigkeit nur zu sprechen, werden Taten sichtbar:

  • Innovation – plastikfreie Veranstaltungen, wiederverwendbare Materialien, Integration lokaler Ressourcen.
  • Verantwortung – Nachhaltigkeit erlebbar machen und messbar gestalten.
  • Zusammenarbeit – mit Partnern, Kunden und Community Hand in Hand Lösungen entwickeln.

Denn die Eventbranche hat einen großen ökologischen Fußabdruck. Den lässt sich nicht mit ein paar Recyclingmaßnahmen ausgleichen – es braucht Kreislaufwirtschaft, CO₂-Reduktion und smarte Lösungen, die echte Veränderung bringen.

Quick Wins auf diesem Weg:

  • Weniger ist mehr: Materialien bewusst einsetzen und mehrfach nutzen.
  • Catering optimieren: Verpackungsmüll vermeiden, regionale Küche, Foodwaste reduzieren.
  • Keine Ressourcenverschwendung: Plastik-Giveaways? Nein danke. Gedruckte Broschüren? Nur wenn es wirklich sein muss.
  • Nachhaltige Mobilität: Bahnreisen, Fahrgemeinschaften, emissionsarme Transportlösungen.
  • Green Energy: Strom aus erneuerbaren Quellen, LED-Technik & energieeffiziente Planung.
  • Materialkreisläufe schließen: Textilien, Banner, Möbel und Bau-Elemente gezielt recyceln und wiederverwenden.

Ausstellung „Kreis statt Krise“

Einen sichtbaren Meilenstein setzte die Ausstellung „Kreis statt Krise“, die vom 28. Februar bis 29. März 2025 im Hofgartensaal der Residenz Kempten zu sehen war. Ursprünglich von der NGO Cradle to Cradle entwickelt, wurde sie von KAD, der Allgäu GmbH und dem ZAK Kempten ins Allgäu geholt.

Die interaktive Schau machte Kreislaufwirtschaft greifbar: T-Shirts, die kompostierbar sind. Baustoffe, die CO₂ speichern. Produkte, die nie zu Müll werden, sondern in einem endlosen Kreislauf bleiben. Begleitet wurde die Ausstellung von Themenabenden zu nachhaltigem Tourismus, zukunftsfähigen Städten und regionaler Wirtschaft sowie von Führungen für Schulen.

„Heimat nachhaltig zu gestalten heißt auch, Räume für Dialog zu öffnen“, beschreibt KAD den Ansatz. Ziel war es, Menschen zu inspirieren, zu vernetzen und Mut zu machen, neue Wege zu gehen.

Heimat nachhaltig – ein Modell für die Zukunft

Die Kooperation zwischen Allgäu GmbH und KAD zeigt eindrucksvoll, wie sich Nachhaltigkeit als fester Bestandteil in Standort- und Markenstrategien integrieren lässt. Mit wiederverwendbaren Messemodulen, recycelbaren Materialien und Formaten wie „Kreis statt Krise“ wird Nachhaltigkeit nicht nur kommuniziert, sondern konkret umgesetzt.

So positioniert sich das Allgäu als Modellregion, in der regionale Identität und Zukunftsfähigkeit Hand in Hand gehen. Blau und weiß – und ganz schön grün.

2023 entstand daraus eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie – entwickelt mit über 170 Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Vier zentrale Handlungsfelder geben seitdem die Richtung vor.

www.allgaeu.de

www.veranstaltung-erleben.de