Architekturideen neu gedacht
Ein siebengeschossiges Wohnhaus zeigt, wie sich anspruchsvolle Architektur, robuste Ziegelbauweise und sensible Einbindung in den Ort verbinden lassen.
Die Ziegel-Rundbögen wurden passgenau für dieses Gebäude vorgefertigt. Lage alltagstauglich ist. Für die Gemeinde ist es ein Beitrag zur Innenentwicklung und zur Schaffung von Wohnraum, der an einem infrastrukturell gut erschlossenen Ort entsteht. Im Gottmadinger Ortsteil an der Johann-Georg-Fahr-Straße ist ein Wohnhaus entstanden, das sich mit einer klaren architektonischen Haltung in ein anspruchsvolles Umfeld einfügt und zugleich dringend benötigten Wohnraum schafft. Das Projekt greift mit seinen markanten Rundbögen ein prägendes Motiv älterer Gebäude im Ort auf und übersetzt es in eine zeitgemäße, lebendige Fassadensprache. Gerade die Lage direkt an der Bahntrasse stellte hohe Anforderungen an Planung, Ausführung und städtebauliche Einbindung. Wo das Grundstück lange als schwierig nutzbar galt, entstand nun ein siebengeschossiges Wohnhaus mit 14 Wohnungen und einem breiten Nutzungsspektrum für unterschiedliche Lebenssituationen. Die Wohnungsgrößen reichen von 53 bis 110 m²; ein Großteil der Einheiten ist als geförderter Wohnraum vorgesehen.
Rundbögen als architektonisches Leitmotiv
Die Rundbögen prägen das Gebäude sichtbar und geben ihm eine eigenständige Identität. Zugleich schaffen sie eine Verbindung zur gewachsenen Bebauung im Ort, ohne historisierend zu wirken. In ihrer Wiederholung strukturieren sie das Volumen, gliedern die Fassade und sorgen für eine klare Maßstäblichkeit trotz der Gebäudehöhe. Im 6. Obergeschoss werden die Bögen auch in den Loggien fortgeführt. Dadurch setzt sich das architektonische Konzept konsequent über die einzelnen Geschosse hinweg fort und verbindet Außenwirkung, Nutzbarkeit und räumliche Qualität.
Wohnraum an schwieriger Stelle
Das Bauvorhaben zeigt, wie sich ein bislang wenig genutzter Standort an der Bahnlinie in qualitätvollen Wohnraum überführen lässt. Gerade in einer Lage mit Lärm, städtebaulichen Vorbehalten und begrenzter Aufenthaltsqualität war die Aufgabe nicht allein technisch, sondern auch vermittelnd. Das Projekt schafft hier einen neuen Baustein für die Ortsentwicklung und nutzt eine Fläche, die für Wohnen bislang kaum in Betracht kam. Für die Bewohner bedeutet das kurze Wege, gute Anbindung und einen Wohnstandort, der trotz der besonderen Lage alltagstauglich ist. Für die Gemeinde ist es ein Beitrag zur Innenentwicklung und zur Schaffung von Wohnraum, der an einem infrastrukturell gut erschlossenen Ort entsteht.
Dialog mit der Öffentlichkeit
Das Projekt wurde in der Bevölkerung unterschiedlich aufgenommen. Gerade die markante Höhe und Erscheinung des Hauses führten zunächst auch zu kritischen Stimmen. Um das Vorhaben nachvollziehbar zu machen, wurde ein „Dorfgespräch“ mit Begehung organisiert, bei dem Architekt und Statiker die Planung erläuterten und Fragen aus der Bürgerschaft aufnahmen. Dieser direkte Austausch war wichtig, um die städtebaulichen und konstruktiven Überlegungen transparent zu machen. Er zeigt zugleich, dass anspruchsvolle Architektur im Ort nicht nur gebaut, sondern auch erklärt und vermittelt werden muss.
Massivbau mit klarer Konstruktion
Der Baukörper wurde in massiver Ziegelbauweise mit einer Wandstärke von 49 cm ausgeführt. Eingesetzt wurde der WS075 SILVA COR mit einem $f_k$-Wert von 6,5 MN/m². Damit verbindet das Projekt Tragfähigkeit und bauphysikalische Anforderungen in einem Bauteil und passt zu einem Wohnungsbau, der auf Dauerhaftigkeit und robuste Ausführung angelegt ist. Die Konstruktion unterstützt die klare architektonische Idee ebenso wie die funktionalen Anforderungen eines mehrgeschossigen Wohnhauses. Gerade bei einem Gebäude dieser Größe ist die enge Verzahnung von Gestaltung, Statik und Ausführbarkeit entscheidend für die Qualität des Ergebnisses.
Einordnung des Projekts
Das Wohnhaus in Gottmadingen steht für einen sorgfältigen Umgang mit einem schwierigen Standort, für die Schaffung von gefördertem und vielfältigem Wohnraum und für eine Architektur, die sich auf den Ort bezieht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Rundbögen geben dem Haus Charakter, die massive Ziegelbauweise sorgt für eine belastbare Grundlage, und der öffentliche Dialog hat geholfen, das Vorhaben in der Gemeinde einzuordnen. So ist ein Gebäude entstanden, das nicht nur Wohnraum bereitstellt, sondern auch zeigt, wie sich Verdichtung, Ortsbild und technische Machbarkeit miteinander verbinden lassen.





