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Neue Heimat Allgäu

Fünf Menschen. Fünf Geschichten. Fünf Wege ins Allgäu.

Für Bahare war es die Stille. Für Pascal die Liebe. Für Franziska der Neustart. Die Gründe, warum Menschen ins Allgäu ziehen, sind so unterschiedlich wie ihre Lebenswege. Eines haben sie gemeinsam: Sie fanden ein neues Zuhause. Julia dank Ehrenamt und Arbeitgeber. Saqib dank dem Studium.

Dass das kein Einzelfall ist, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der Region: Zwischen 1995 und 2024 kamen laut Zensuszählung im bayerischen Teil der Region rund 60.000 Einwohner:innen dazu. Warum zieht es Menschen in die Region? Wie kommen sie hier zurecht? Fühlen sie sich zu Hause? Die Allgäu GmbH hat fünf Menschen getroffen und sie nach ihren Beweggründen, Herausforderungen und ihrem Heimatgefühl gefragt.

Die Ruhe nach der Millionenstadt

Bahare kam als Deutschlehrerin aus dem Iran nach Kempten. Berge kannte sie, fremd war der jungen Frau aus der Millionenstadt Teheran dagegen die Ruhe: „Wenn ich hier das Fenster aufgemacht habe, war einfach nichts – Stille.“ Umso lebendiger ging es im Unterricht zu: Bahare kümmerte sich in den ersten Monaten um junge Schüler:innen. „Das war eine ganz tolle Energie.“ Heute leitet sie bei einem Bildungsträger in Kempten Deutschkurse für Erwachsene. Sie gesteht: „Die ersten Monate waren nicht leicht.“ Sie hatte kaum Zeit für Sozialkontakte. Auch der Dialekt im Allgäu war zunächst ungewohnt. „Ich lebte die ersten Jahre meiner Kindheit in Hamburg.“ Erfahrung, die verbindet. Bahare hat mehrfach den Schritt des Neuanfangs gewagt und unterstützt jetzt ihre Schüler:innen dabei.

Für die Liebe ins Allgäu

Der Dortmunder Pascal störte der Akzent nicht – denn er ist Taub. „Mit großem T – für mehr Würde“, erklärt er die Rechtschreibung. Der in seiner Community gut vernetzte und engagierte 37-Jährige hat seine Freundin über das Internet kennengelernt – und sich verliebt. Schon nach wenigen Wochen entschied er sich für einen Umzug nach Kempten. Seine Familie war geschockt. Er dagegen freute sich über drei Vorstellungsgespräche. Der ausgebildete Techniker arbeitet heute in der Qualitätssicherung bei einem Technologiehersteller für Elektroniklösungen.

„Das Unternehmen hat wirklich alles getan, damit ich mich hier wohlfühle“, erzählt er. Heißt konkret: Online-Meetings mit Untertitel organisiert, Apps eingerichtet, die simultan Text erstellen im Gespräch, einmal pro Woche eine ausgebildete Gebärdendolmetscherin für komplexere Themen bestellt. In der Zwischenzeit hat Pascal die Abteilung gewechselt und einen Karrieresprung gemacht: „Ich kriege hier wirklich alle Chancen – es ist toll.“

Studium, Karriere und ein neues Zuhause

Das empfindet auch Saqib aus Pakistan so, der sagt: „Ich bin hier noch nie echter Fremdenfeindlichkeit begegnet.“ Der 33-Jährige schloss an der Hochschule in Kempten sein Studium zum Elektroingenieur ab und lebt und arbeitet mittlerweile in Memmingen. Wichtig sei im Allgäu, sich an alle Regeln zu halten: Verkehrsregeln, Arbeitszeiten, Pausen, Verwaltungsabläufe, Formulare und das Müllsystem. „In Deutschland gibt es für alles klare Regeln. Das ist anfangs ungewohnt – im Grunde aber positiv. Weil das System für alle gilt – egal ob du von hier bist oder nicht.“ Sein wichtigster Tipp für alle, die hier studieren wollen: „Die Sprache vorher lernen.“ Auch wenn Vorlesungen auf Englisch seien – der Alltag sei einfacher, wenn man Deutsch versteht.

Vom ersten Tag an willkommen

Damit hatte Julia keine Probleme. Die Soldatin kam ursprünglich aus einem kleinen Ort bei Augsburg, absolvierte ihre Grundausbildung in Eckernförde und zog dann mit ihrem Mann in die Nähe der Kaserne in Sonthofen. Ihren Dienst hat sie beendet – jetzt arbeitet sie bei einem Unternehmen für Energie- und Antriebslösungen im Oberallgäu. „Der Umgang war hier von Anfang an total herzlich.“ Gemeinsamer Mittagstisch, Workshop auf einer Hütte in Oberstaufen und einmal im Jahr ein Team-Event, das die Abteilungen selbst wählen dürfen. Das Unternehmen sorgte aktiv für Kontakt auch außerhalb des beruflichen Kontextes. „Ich bin unheimlich schnell in der Allgäuer Arbeitswelt angekommen.“ In ihrer Freizeit übernahm Julia am Anfang im Fußballclub bei Sonthofen das Imbiss-Hüttchen. „Bei ehrenamtlichem Engagement lernt man hier total schnell Leute kennen.“

Mut zum Neuanfang

Auch Franziska tat sich leicht. Vor allem in den Geschäften erlebte sie die Menschen im Allgäu von Anfang an als hilfsbereit: „Ich hab‘ mich überall schnell eingelebt – auch wenn sich die Menschen noch heute über meinen niederbayerischen Dialekt wundern.“ Mit 38 Jahren zog sie nach einer gescheiterten Ehe aus Bad Füssing zu ihrer Freundin nach Bad Wörishofen. Zurück ließ sie ihr halbes Leben: ihren Mann, ihre 18-jährige Tochter, ihre Familie. „Das war nicht einfach“, sagt die heute 63-Jährige. Rückblickend sei die Entscheidung aber richtig gewesen: „Wenn du etwas nicht mehr aushältst, musst du es ändern.“ Im Allgäu meisterte sie massive finanzielle Engpässe – auch mit Hilfe ihres Arbeitgebers aus dem Textilbereich. „Es war nicht einfach, aber ich habe es geschafft – und darauf bin ich richtig stolz.“ Sobald sie in wenigen Wochen im Ruhestand ist, will sie sich etwas gönnen: „Mit der Bahn auf einen Berg fahren und mich dort oben umsehen. Das ist sicher schön.“

Viele Wege, eine Heimat

Die Geschichten von Bahare, Pascal, Saqib, Julia und Franziska zeigen, wie unterschiedlich die Wege ins Allgäu sein können. Manche kamen für die Liebe, andere für Studium, Beruf oder einen persönlichen Neuanfang. Geblieben sind sie aus ähnlichen Gründen: wegen der Menschen, der Lebensqualität und der Chancen, die sie hier gefunden haben. So wächst das Allgäu nicht nur zahlenmäßig, sondern vor allem durch die Geschichten der Menschen, die die Region zu ihrer Heimat machen.

Zum Projekt

Die Portraitreihe entstand im Rahmen des Projekts Fachkräftesicherung der Allgäu GmbH, gefördert über das Regionalmanagement durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Informationen zum Leben und Arbeiten im Allgäu sowie Tipps für Arbeitgebende zum Gewinnen und Binden von Zuzügler:innen gibt es auf allgaeu.de/leben-arbeiten

Allgäu GmbH Gesellschaft für Standort und Tourismus
Burgstraße 18 | 87435 Kempten
Ansprechpartnerin: Jana Reuß | reuss@allgaeu.de

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