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Vinschgau (Ad.)

Im Reich der Venosten

- Advertorial - | Text: Benni Sauer

Die Kelten lebten in der Eisenzeit, ungefähr 800 bis 50 Jahre vor Beginn unserer Zeitzählung. Sie besiedelten große Teile des heutigen Spaniens, Irlands und Englands. Sie lebten aber auch in den Alpen – überall zwischen Frankreich, der Schweiz, Deutschland, Italien, Österreich und Slowenien. Die Kelten waren dabei kein eigenständiger Stamm, sie waren vielmehr diverse, zerstreute Volksgruppen, deren Verbindung oftmals nie ganz geklärt werden konnte. Es waren aber allesamt Stämme mit ausgeprägter Kultur und hochentwickelter sozialer Struktur – ihre große Gemeinsamkeit. Sie besiedelten bald schon die gesamten Voralpen und zogen stetig tiefer und tiefer in die Hochalpen hinein, vermischten sich derweil mit anderen Volksstämmen und trieben regen Handel.

Die Venosten waren damals keineswegs ein ausgesprochenes Bergvolk, genauso wenig wie die übrigen Kelten. Doch irgendwann waren sie bis ins bis zum heutigen Reschenpass vorgedrungen, besiedelten gemeinsam mit den Vennoneten die sanften Hochtäler entlang der Etsch und legten den Grundstein für das vallis Venusta: Der Vinschgau.

Das alles ist schon tausende von Jahre her. Viel weiß man über die Venosten und Vonnoneten ohnehin nicht und würden diese beiden Namen nicht auf einem Inschriftenblock eines römischen Bauwerks prangen, 500 Kilometer entfernt, im Südosten Frankreichs, wären sie vielleicht sogar ganz in Vergessenheit geraten. Doch natürlich lassen sich im Vinschgau selbst heute noch uralte Spuren der Alpenstämme finden. In der Gegenwart ist der Vinschgau dabei ein Tal der Gegensätze: Zwischen Kulturschätzen, kulinarischen Raritäten und König Ortler.

Wer sich während seines Aufenthaltes im Vinschgau sportlich betätigen möchte, der unternimmt am besten eine Radtour. Die Region ist berühmt für ein weitläufiges, gut strukturiertes Touren-Netz für Mountainbiker. Hotelbetriebe haben sich hier teilweise sogar auf Mountainbiker spezialisiert und bieten ein All-inclusive-Service samt Guide und E-Bike-Verlieh. Aber auch gemächliche Trekkingrunden zeichnen den Vinschgau als Bike-Paradis aus – allen voran die Etschradroute entlang der Via Claudia Augusta, der antiken Römerstraße. Die Route führt vorbei am weltberühmten versunkenen Kirchturm im Reschensee, vorbei am kleineren Haidersee und von dort entlang der Grenze des Nationalparks Stilfser Joch bis zum Marmordorf Laas. Es folgen Schlanders, Latsch, Naturns, Ortsnamen mit dem typischen Klang des Vinschgaus, bis man nach 80 Kilometern den Endpunkt der Route erreicht: Meran.

In den vielen kleinen Örtchen des Vinschgaus sind Kunst- und Kulturfreunde besonders gut aufgehoben: Im mittelalterlichen Städtchen Glurns, eines der zahlreichen romanischen Kleinode, oder im beeindruckende Benediktinerstift Kloster Marienberg. Wohin man auch geht, es begegnet einem die charmante Kunstkultur des Südtiroler Hochtals ebenso wie seine Kulinarik. Kein Wunder, denn der Vinschgau wurde auch einst Kornkammer Tirols genannt. Im unteren Vinschgau bestimmen Trauben und Äpfel, aber auch Kastanien und sogar Spargel die Kulturlandschaft. Weiter oben wachsen uralte Wein- und Birnensorten. Laas ist für seine Marillen bekannt, das Martelltal dagegen für sein Beeren. Gemeinsam mit Käse und Speck ist die Vinschgauer Küche so etwas wie die Feinkostabteilung Südtirols.

Größter Blickfang im Vinschgau ist zweifelsfrei der Ortler. Selbst vom Reschenpass aus ist der Eisgigant gut zu sehen und wer mit dem Trekkingrad die Etschradtroute fährt, wird seinen Blick kaum abwenden können. Der Gletscherpanzer ist teilweise weit mehr als 100 Meter dick, sein Gipfel erreicht eine Höhe von mehr als 3900 Metern und in den Talorten an seinem Fuß, da erzählt man sich noch immer düstere Sagen. Immer wieder verbinden diese Mythen den Berg mit dem Reich der Toten, was irgendwie auch naheliegend erscheint, betrachtet man seine lebensfeindlichen, bedrohlichen Wände aus Eis und Fels. Als unbesteigbar galt dieser Berg, zur Zeit der Venosten sowieso, aber auch noch tausende Jahre später. Bis ins Jahr 1805, in dem zum ersten Mal überhaupt ein Mensch seinen Fuß auf den Gipfel stellte.

Heute gibt es eine ganze Hand voll Hütten und dutzende Routen auf diesen, für Alpinisten sehr bedeutenden Gipfel. Allesamt stellen sie anspruchsvolle Hochtouren für erfahrene Bergsteiger dar. Oberhalb der sanften, grünen Talboden, erwartet sie eine hochalpine Herausforderung. Der Ortler - wieder einer dieser Kontraste, für den der Vinschgau so berühmt ist.

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